Gesichtstattoos sind keine Mode, sie sind eine Konsequenz
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Das hier wird mal ein etwas persönlicherer Blog.
Ein Thema, über das ich schon länger nachgedacht habe.
Es ist nicht ganz einfach, weil es dazu viele Meinungen gibt.
Aber genau deswegen will ich einfach mal ehrlich sagen, wie ich das sehe.
In den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass sich etwas verändert hat.
Immer mehr Leute kommen ins Studio und fragen nach Gesichtstattoos.
Ich weiß nicht, ob es einfach die Entwicklung ist oder der Einfluss von Social Media und allem, was man jeden Tag sieht… aber es fällt auf.
Was früher eher extrem war, ist heute fast normal geworden.
Und ich sag’s ehrlich… es stört mich nicht komplett.
Aber ich feier’s auch nicht wirklich.
Weil nicht alles, was gerade im Trend ist, automatisch eine gute Idee ist.
Ich mache das Ganze jetzt schon eine Weile und habe gesehen, wie sich Tattoos verändert haben.
Früher war das viel mehr Nische, heute ist es viel akzeptierter.
Und ja, das hat auch viele gute Seiten. Mehr Arbeit, mehr Respekt für das, was wir machen.
Aber gleichzeitig merke ich auch, dass viele Entscheidungen heute schneller und impulsiver getroffen werden.
Und genau da ziehe ich für mich eine Grenze.
Ein Gesichtstattoo ist in den meisten Fällen nichts, was ich einfach so mache.
Es ist egal, ob du volljährig bist.
Es ist egal, ob du schon Tattoos hast.
Und auch wenn du sagst, dass du dir sicher bist…
Das Gesicht ist einfach nicht irgendeine Stelle.
Das ist das Erste, was Menschen von dir sehen.
Ob du willst oder nicht.
Und das ist eigentlich nichts Neues.
Wenn man sich anschaut, wie es früher war, zum Beispiel in vielen indigenen Kulturen, dann hatten Gesichtstattoos eine ganz andere Bedeutung.
Das war nichts, was man spontan gemacht hat.
Das hatte mit Identität zu tun, mit Erfahrung, mit dem Weg, den jemand gegangen ist.
Man hat sich das nicht einfach ausgesucht.
Man hat es sich verdient.
Und genau das fehlt heute oft.
Viele wollen direkt mit dem Gesicht anfangen, ohne den Rest des Weges gegangen zu sein.
Und da macht es für mich einfach keinen Sinn.
Ich sehe das so:
Ein Gesichtstattoo sollte man sich verdienen.
Nicht als strenge Regel… eher als gesunder Menschenverstand.
Wenn dein Körper noch komplett frei ist, also Arme, Beine, Rücken…
warum gehst du dann direkt zum Sichtbarsten?
Warum überspringst du alles andere?
Und es gibt noch einen Punkt, über den kaum jemand spricht.
Die Ästhetik.
Ein tätowiertes Gesicht ohne Kontext wirkt einfach unfertig.
Genauso wie tätowierte Hände ohne tätowierte Arme… oder ein Hals ohne Verbindung zum Rest.
Wenn Tattoos gut gemacht sind, dann passt alles zusammen.
Dann hat das Ganze Flow.
Und dann sind da noch die Konsequenzen.
Ich sage das nicht, um zu urteilen.
Ich sage das, weil es Realität ist.
Ein Gesichtstattoo verändert, wie Menschen dich sehen und wie sie mit dir umgehen.
Und ich habe schon oft gehört:
„Die Gesellschaft diskriminiert mich wegen meiner Tattoos.“
Aber ganz ehrlich…
Du hast eine Entscheidung getroffen, die dich aus bestimmten Situationen rausnimmt.
Nicht, weil du nicht gut genug bist.
Sondern weil du dich bewusst anders positioniert hast.
Und das ist okay… wenn man das von Anfang an versteht.
Weil ich auch die andere Seite gesehen habe.
Leute, die es bereuen.
Die mit Laser anfangen… und dann wieder… und wieder.
Teuer, schmerzhaft, dauert ewig.
Und trotzdem geht es oft nicht komplett weg.
Und dann gibt es Leute, die es nicht bereuen.
Ich gehöre dazu.
Ich habe mir mein Gesicht ziemlich jung tätowieren lassen, mit 20 oder 21.
Eine große Mandala, die ich über die Jahre immer wieder verändert habe.
Am Anfang war es komisch, klar.
Du schaust in den Spiegel und merkst, okay… das bleibt jetzt.
Aber man gewöhnt sich dran.
Heute ist es einfach ein Teil von mir.
Und viele Freunde und Kollegen, die auch Gesichtstattoos haben, sagen genau das Gleiche.
Es macht dich wiedererkennbar.
Für manche ist das gut. Für andere nicht.
Aber es gehört dann zu dir.
Deshalb sage ich nicht, dass es falsch ist.
Ich sage nur, dass es nicht für jeden ist.
Wenn du wirklich weißt, was du willst, wenn du einen klaren Plan hast… dann mach dein Ding.
Aber selbst dann würde ich dir sagen:
Überstürz es nicht.
Füll erstmal den Rest deines Körpers.
Erleb, wie es ist, Tattoos zu tragen.
Versteh den ganzen Prozess.
Und dann, wenn es sich immer noch richtig anfühlt,
dann kannst du über dein Gesicht nachdenken.
Weil ein Gesichtstattoo nicht der Anfang ist.
Es ist eher der Punkt, an dem du ankommst, nachdem du den Weg gegangen bist.
